Ungeheuerliche Entgleisung des Umweltministeriums - Kreisjägerschaft Hagen e.V.

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Ungeheuerliche Entgleisung des Umweltministeriums

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„Wir müssen die landesjagdgesetzlichen Bestimmungen so stark verändern, dass die bisher geübte Bejagung nicht mehr zulässig ist. Außerdem wird und muss ein Flickenteppich entstehen, damit die Bejagung in den bisherigen Jagdrevieren uninteressant wird.“
Diese deftigen Worte soll der Abteilungsleiter im nordrhein-westfälischen Landwirtschaftsministerium, Dr. Martin Woike, kürzlich laut dem Landesjagdverband NRW bei einem internen Gespräch mit Vertretern der biologischen Stationen gesagt haben.

Sollte dies so stimmen, könnten sich Befürchtungen der Jägerschaft bewahrheiten, dass Landwirtschaftsminister Johannes Remmel mit gespaltener Zunge spricht: Gegenüber den Jäger beteuerte er stets den Erhalt der Jagd, wie etwa im Sommer 2013 auf dem Landesjägertag in Münster: „Die Jagd wird nicht abgeschafft“ und „Jäger sollen und müssen weiter jagen und können auch Freude daran haben“. Hinter den Kulissen waren aber damals schon ganz andere Stimmen zu hören.

Sein Abteilungsleiter hat offenbar jetzt, in Gewissheit einer Runde möglicher Gleichgesinnter, Klartext gesprochen. „Die Jäger haben ohnehin keine Lobby mehr. Sie halten sich doch nur noch an ihrer Waffe fest“, so Woike angeblich weiter. Zurzeit würden Überlegungen angestellt, dass die Naturschutzverbände die erworbenen Flächen an die jagdkritischen Alt-Eigentümer zurückgeben, damit diese dann eine Befreiung der Jagd aus ethischen Gründen verlangen könnten. Das Bundesjagdgesetzt gestehe diese Möglichkeit nur Personen, nicht aber Organisationen zu, wird der Biologe zitiert. Dadurch könnte ein Flickenteppich entstehen, der es den Jäger schwer macht. Die neuen Landesgesetze würden dann ihr übriges tun. „Im Ergebnis solle die Jagd uninteressant gemacht werden, so dass die Jäger die Lust hieran verlieren“, so der Leiter der Abteilung Forsten und Naturschutz.

Landesjagdverband fordert klare Worte

Entsetzt reagierte der Landesjagdverband NRW auf diese Aussagen. Verbandspräsident Ralph Müller-Schallenberg wandte sich daraufhin in einem Brief an Minister Remmel (Grüne) sowie die Vorsitzenden aller Fraktionen im Landtag und verlangte Aufklärung. „Ich bin mehr als entsetzt. Ich bitte um umgehende Klarstellung, ob die von Dr. Woike geäußerten Positionen auch Ihre sind“, forderte Müller-Schallenberg, zumal die Gesprächsatmosphäre zur Novellierung des Landesjagdgesetzes bisher angeblich sach- und fachgerecht gewesen sein soll.

„Entweder sagt Remmel nicht die Wahrheit oder er hat seinen Laden nicht im Griff“, stellte Ludger Baumeister, Medienberater des LJV, fest. „Wir verlangen, dass noch vor der Kommunalwahl am 25. Mai konkrete Eckpunkte für das neue Landesjagdgesetz vorgelegt werden. Wir müssen endlich Klarheit haben“, sagte Baumeister.

Seit anderthalb Jahren verhandelt ein Runder Tisch aus Politikern, Waldbesitzern, Jagdverbänden, Tier- und Naturschützern sowie Wissenschaftlern über eine Neufassung des Landesjagdgesetzes. Dabei geht es unter anderem um die Zahl der jagdbaren Arten, Jagdzeiten, die Jagd in Schutzgebieten, die Fallenjagd und die Methoden zur Ausbildung von Jagdhunden.

Das Umweltministerium weist die Vorwürfe zurück

Das NRW-Agrarministerium hat unterdessen die massiven Vorwürfe des Landesjagdverbandes gegen Woike entschieden zurückgewiesen.  „Diese Anschuldigungen gegen einen leitenden Mitarbeiter des Hauses sind falsch“, teilte Ministeriumssprecher Frank Seidlitz mit. „Der betroffene Mitarbeiter hat eine dienstliche Erklärung vorgelegt, in der er die gegen ihn vom Landesjagdverband erhobenen Vorwürfe abstreitet und dementiert. Diese Einschätzung wurde durch eine weitere Mitarbeiterin des Hauses, die ebenfalls an der Sitzung am 16. Januar teilgenommen hat, bestätigt“, erklärte Seidlitz.

Um die Wogen zu glätten, bietet Woike dem Landesjagdverband und dessen Präsident ein klärendes Gespräch an, um die Basis für eine weitere Zusammenarbeit zu schaffen.

In seiner Rede zur Eröffnung der Messe „Jagd & Hund“ in Dortmund am Dienstag dieser Woche sprach Müller-Schallenberg, in Anwesenheit Woikes, von einem „politischen Eklat ersten Ranges“. Nach dem Vorfall sei die Geduld der Jäger erschöpft. Remmel müsse endlich der Öffentlichkeit eine Vorlage für ein Landesjagdgesetz präsentieren.

Der LJV-Präsident wörtlich: „Die nordrhein-westfälische Jägerschaft will Klarheit – und zwar jetzt und nicht erst nach den Kommunal- und Europawahlen im Mai.“ Und weiter: „Eine Hauruck-Gesetzgebung bis Ende des Jahres 2014, wenn das geltende Jagdrecht in NRW ausläuft, werden wir nicht mit machen.“

FDP will die Thematik im Landtag erörtern

Derweil hat die FDP angekündigt, das Thema auf die Tagesordnung des Landtags zu bringen. Deren Parlamentarischer Fraktionsgeschäftsführer, Christof Rasche, argwöhnt, die rot-grüne Landesregierung habe „längst weitreichende Pläne in der Schublade liegen“ zur Verschärfung des Jagdgesetzes. „Gegenüber dem Landtag und der Öffentlichkeit haben SPD und Grüne versucht, dieses Vorhaben aus taktischen Gründen bis zur Kommunalwahl geheim zu halten.“

Brief des LJV-Präsidenten Ralph Müller-Schallenberg an Minister Remmel  


Rede des LJV-Präsidenten anlässlich der Messe-Eröffnung  


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Kreisjägerschaft Hagen e.V. 2014

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